Die Stadt Stuttgart macht die "braune" Biotonne ab 1. Januar 2015 zur Pflicht

Vom 1. Januar 2015 an wird „Braun“ in Stuttgart zur weiteren Pflichtfarbe bei der Müllentsorgung.

Die bisher freiwillig bestellbaren Biomüll-Behälter sollen auf jedes Grundstück. So schreibt es das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor.

Schwarz, Grün, Gelb und künftig auch noch Braun: Auf den Stellplätzen für Müllbehälter und „Gelbe Säcke“ in der Landeshauptstadt wird es von 2015 an noch enger. Rund 32000 zusätzliche Biomüll- Tonnen will der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb (AWS) bis Ende 2017 verteilen. Die bisher auf freiwilliger Basis angebotene Dienstleistung, die immerhin 29416 Stuttgarter in Anspruch nehmen, wird zur Pflicht. Und sie wird teurer. Nur wer ein unlösbares Stellplatzproblem nachweisen kann oder über ein weitläufiges Grundstück samt Kompostmiete verfügt, darf auf eine Befreiung vom Benutzungszwang für die Braune Tonne hoffen. Ansonsten wird von Berlin aus auch für Stuttgart noch mehr Mülltrennung verordnet. 

Beim Biomüll stellt sich die Sortierungs-Sinnfrage aus Sicht von AWS-Geschäftsführer Thomas Heß nicht: „Wer Biomüll in die schwarze Restmülltonne steckt, lässt viel Wasser in die Müllverbrennung nach Münster transportieren – das ist unsinnig." Sinnvoll sei, den Biomüll zur Gaserzeugung zu nutzen und damit Erdgas einzusparen. Das will die Stadt von 2018 an in einer neuen, rund 13 Millionen Euro teuren Anlage in Zuffenhausen tun. Sie wird maximal 35000 Tonnen pro Jahr verwerten können. Bis dahin wird der Biomüll nach Kirchheim und zu einem weiteren Verwerter geliefert werden. Die Kompostwerke gelten nicht mehr als letzter Stand der Technik. „Mit der Biogasanlage könnten wir ein kleines Dorf mit 1000 Einwohnern mit Strom und Wärme versorgen", sagt Heß. Das Stadtbad wurde bisher als Abnehmer der Bio-Energie genannt. Wenn die Anlage läuft, dürften auch gern mehr Essensreste und – bisher verboten – Fett und Öl aus der Küche in die Tonne. Heß: „Die Bakterien in der Anlage lieben das und schaffen dann besser.“

In der ersten Jahreshälfte 2015 will der Abfallwirtschaftsbetrieb dafür sorgen, dass die Stuttgarter sich mit der Tonne anfreunden. Das Stadtgebiet wird von Nord nach Süd beackert. Bad Cannstatt, Feuerbach, Stammheim, Weilimdorf, Zuffenhausen, Ober- und Untertürkheim sind als Erste dran, der Süden mit Vaihingen bildet Ende 2017 den Schluss. Für die Verdoppelung der Nutzerzahlen müssen nach und nach 34 feste und einige befristete Kräfte eingestellt und für 2,5 Millionen Euro 13 neue Fahrzeuge beschafft werden. Das Personal wird mit 3,2 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt. Ist die Flächendeckung erreicht, will der AWS die Tonne wieder das ganze Jahr über wöchentlich leeren. 2010 hatte der Betrieb, auch angesichts des Einspardrucks, den Turnus von November bis April auf zwei Wochen gestreckt. Das hatte Proteste entfacht. Der Gemeinderat reagierte und beschloss 2011 die Rückkehr zum Wochenturnus. Geplant ist nun auch der „Vollservice", das heißt, die Tonne wird vom Standplatz abgeholt und zurückgeschoben, die Bürger müssen sie nicht selbst an den Straßenrand stellen. Der Vollservice gilt schon heute bei der Restmüll-Tonne und ist sinnvoll, wer die Behälter ansonsten vor allem in den Innenstadtbezirken am Abfuhrtag die Gehwege verstopfen würden.

Wöchentliche Leerung und Vollservice werden den Preis treiben. Ein 60-Liter-Bio-Eimer kostet heute 29,40 Euro pro Jahr. Vor der Streckung des Abfuhrturnus waren es 37,20 Euro. Die 120-Liter-Tonne schlägt mit 58,20 Euro und die mit 240 Litern mit 111 Euro zu Buche. Um Kostendeckung zu erreichen, liegt der Gebührenbedarf heute bei 4,1 Millionen Euro. Im Endausbau wären bei 62500 erfassten Grundstücken 8,8 Millionen Euro nötig. Um wie viel die Gebühr für die einzelnen Behältergrößen steigen wird, kann Heß heute nicht sagen. Der Aufschlag ist zum Teil auch abhängig von der Klärung eines Streits mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Ihr muss die Stadt pro Jahr 225000 Tonnen Müll zum Fixpreis nach Münster liefern. Wächst die Biomüllmenge wie prognostiziert von 13430 auf rund 30000 Tonnen (also 50 statt 23 Kilogramm pro Kopf), würden in Münster rund 16500 Tonnen fehlen. „Wir wollen von der EnBW ein Lieferfenster und nicht Luft bezahlen", sagt Heß. Zur Vertragsanpassung und Preisreduzierung gebe es ,,intensive Gespräche". Fruchteten diese nicht, gebe es auch die Möglichkeit, gegen den Fixpreis zu klagen.

(Quelle: Stuttgarter Nachrichten am 18.08.2014)