Geschichte

1918

Wegen der zunehmenden Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg und der fehlenden Möglichkeiten vieler Gemeinden, das Problem selbst anzupacken, wurden in dieser Zeit an vielen Orten in Deutschland Baugemeinschaften von engagierten Bürgern gegründet.

Es trafen sich im Dezember 1918 einige Dutzend Münster Bürger, um nach Wegen und Möglichkeiten zu suchen, der herrschenden Wohnungsnot zu begegnen. Sie setzten noch an diesem Termin eine Kommission ein, die die Vorarbeiten der Gründung einer Bauvereinigung übernehmen sollten. Bereits am 17. Februar 1919 stellte diese Kommission ihr Ergebnis vor. Spontan erklärten sich 60 der anwesenden Personen bereit, der zu gründenden Baugemeinschaft beizutreten. 

1919

Die Gründungsversammlung fand am Abend des 03. März 1919 statt. Die Beteiligten entschieden sich für die Rechtsform der Genossenschaft und gaben ihrer Neugründung den Namen "Baugenossenschaft Münster am Neckar eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung". Noch am Gründungstag erklärten 71 Personen ihren Beitritt zu der neuen Genossenschaft. Es folgte die Wahl des Vorstands und des Aufsichtsrats. Die Eintragung in das Genossenschaftsregister erfolgte am 10. April 1919. 

Albert Ebert wurde in der Gründerversammlung am 03. März 1919 zum ersten Vorstands-Vorsitzenden der neuen Genossenschaft gewählt. Bereits am 26. März 1919 fand die erste Generalversammlung statt, in der die von Vorstand und Aufsichtsrat ausgearbeitete Satzung angenommen wurde.

Mit der Ausarbeitung des Bebauungsplans und der Planung der Häuser wurde ein Architekt betraut. Ebenso wurde ein Bauleiter bestellt. Es gelang, Baukostenzuschüsse von der Gemeinde Münster, dem Staat und einiger namhafter Firmen aus der Umgebung zu erlangen.

Der erste Spatenstich zur ersten Bauserie wurde am 24. September 1919 ausgeführt. Die erste Bauserie umfasste insgesamt 16 Erwerbshäuser an der ehemaligen Pfadstraße, heute Elbe- und Freibergstraße.
Diese ersten Häuser konnten schon von Mai bis September 1920 bezogen werden, obwohl die einsetzende Verteuerung und Verknappung des Baumaterials der noch jungen Baugenossenschaft erhebliche Probleme bereiteten. So war beispielsweise der Preis für 1 Kubikmeter Bauholz von August 1919 mit 160,-- Mark auf 500,-- Mark im Dezember 1919 gestiegen. 

Die zweite Bauserie folgte im Mai 1921 und umfasste 11 Häuser in der Pfadstraße. Durch stabiler gewordene Preise konnten die Baukosten auf dem Niveau der Kostenvoranschläge gehalten werden und die Häuser waren bereits im Herbst 1921 bezugsfertig. In diese Zeit fällt auch der Zusammenschluss mit der Baugenossenschaft Mühlhausen. Der Grund dafür lag in dem Schwierigkeiten bei der Baulandbeschaffung, die damals in Mühlhausen und vor allem in Hofen noch weitaus größere Probleme aufwarf, als in Münster. Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Albert Ebert, der bis dahin ehrenamtlich tätig war, wurde 1922 von der Baugesellschaft angestellt. Im Jahre 1922 konnte sowohl von der Gemeinde Münster, aber auch aus Zwangsversteigerungen weiteres Baugelände in der heutigen Elbestraße erworben werden. Dies war der Beginn der dritten Bauserie von 14 Einfamilienhäusern in Form von 7 Doppelhäusern. Die mit der weiter fortschreitenden Geldentwertung einhergehende Verknappung der Baumaterialien führte zu großen Verzögerungen bei der Bauabwicklung. Bis Ende 1922 konnten lediglich 4 dieser Doppelhäuser bezogen werden. 1923 erreichte die Geldentwertung ihren Höhepunkt. Aus des Kaufkraftschwunds und der Materialverknappung musste damit begonnen werden, Grab- , Maurer- und teilweise auch Gipserarbeiten in Eigenleistung durchzuführen. Selbst die zum Bau erforderlichen Steine wurden in einer kleinen improvisierten Feldfabrik aus Schlacken selbst hergestellt.

Bis 1928 konnte die BG Münster 52 Mietwohnungen und 86 Wohnungen in 75 Erwerbshäuser errichten. 1929 entstand das Verwaltungsgebäude in der Freibergstraße 62. 1930 zog die spürbare Zunahme der Arbeitslosigkeit auch eine Verknappung der Baugelder nach sich. Dennoch konnten in diesem Jahr noch 4 Häuser mit insgesamt 20 Wohnungen und 2 Ladenlokalen fertig gestellt werden.

1930

1930 zog die spürbare Zunahme der Arbeitslosigkeit auch eine Verknappung der Baugelder nach sich. Dennoch konnten in diesem Jahr noch 4 Häuser mit insgesamt 20 Wohnungen und 2 Ladenlokalen fertig gestellt werden.

Die weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit 1931 zeigte ihre Folgen: geräumige 3-Zimmerwohnungen waren nicht mehr so gefragt, kleinere 2-Zimmerwohnungen wurden bevorzugt. Die Genossenschaft erlitt erstmals Mietausfall durch leer stehende Wohnungen und es sammelten sich hohe Mietrückstände an. Das Personal in der Verwaltung musste reduziert und der größte Teil der Stammarbeiter entlassen werden. 1931 erfolgte die Eingemeindung von Münster zu Stuttgart. 1932 wurde das Bauen eingestellt, der Baumeister und die restlichen Arbeiter entlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 120 Mietwohnungen und 95 Wohnungen in 78 Erwerbshäusern, also insgesamt 215 Wohnungen von der BG Münster errichtet worden. 

Der Mitbegründer und Geschäftsführer Albert Ebert wurde im Zuge der damaligen politischen Entwicklung im Oktober 1933 entlassen und durch Eugen Vollmann ersetzt. Bereits zuvor waren die anderen Mitglieder des Vorstands und die Mitglieder des Aufsichtsrats durch andere Personen ersetzt worden. 

1936 wurde die Bautätigkeit wieder aufgenommen. In dieser Bauserie wurden 33 Wohnungen errichtet. 1939 gelang es, noch einmal eine Bauserie von 42 Wohnungen zu beginnen. Wegen der infolge des Krieges aufgetretenen Materialknappheit konnten diese Häuser allerdings erst 1940/41 fertig gestellt werden. In den weiteren Kriegsjahren war das Bauen nicht möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die BG Münster 44 Mietshäuser mit 226 Wohnungen und 78 Erwerbshäuser mit 95 Wohnungen, zusammen also 321 Wohnungen errichtet. 

1945

Nach Kriegsende ist am 22. Mai 1945 durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett die Tätigkeit des damaligen Vorstands und Aufsichtsrats beendet und der ehemalige Geschäftsführer und Vorstand, Albert Ebert zum kommissarischen Leiter der Baugenossenschaft bestellt worden. 

Die erste ordentliche Mitgliederversammlung nach dem Krieg fand am 26. August 1946 statt. Die Kriegsbilanz: von 226 Mietwohnungen waren 87 beschädigt oder vollständig zerstört, von den 95 Wohnungen in den Erwerbshäusern waren 17 beschädigt oder vollständig zerstört. An nahezu allen anderen Wohnungen sind leichtere Schäden allgemeiner Art festgestellt worden. Albert Ebert wurde in dieser Mitgliederversammlung erneut zum Vorstandsvorsitzenden gewählt.

Die ersten Nachkriegsjahre gestalteten sich schwierig. Wegen der Materialverknappung in dieser Zeit konnten oft nur die dringendsten Reparaturen ausgeführt werden. Die Währungsreform vom 21.06.1948 lies das angesammelte Kapital der Baugenossenschaft von 235.000 Reichsmark auf 15.800 DM zusammenschmelzen. Jedoch konnte man von dem neuen Geld wieder Waren kaufen. Der Wiederaufbau der zerstörten und die Reparatur der beschädigten Gebäude sowie auch der Wohnungsneubau wurden vorangetrieben. Bis zur Beseitigung aller Kriegsschäden sollten jedoch noch einige Jahre vergehen.

1949 - heute

Die Bauserie der Jahre 1949 bis 1952 war teilweise noch vom Wiederaufbau der im Krieg beschädigten Häuser geprägt. Erneut stellten sich schwierige Randbedingungen ein. Durch die "Korea-Krise" 1950/51 kam es zu einer erneuten Materialknappheit mit der eine Teuerungswelle einherging. Die Kostenvoranschläge dieser Bauserie wurden um die zur damaligen Zeit unvorstellbar große Summe von einer halben Million DM überschritten. Nur mit beispielloser Sparsamkeit konnte die Genossenschaft aufrechterhalten werden. So verzichteten in dieser Zeit beispielsweise die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats auf ihre ohnehin kargen Sitzungsgelder.

Im Frühjahr 1953 schied der Mitbegründer und langjährige geschäftsführende Vorstand Albert Ebert aus gesundheitlichen Gründen aus. Eugen Vollmann übernahm die Geschäftsführung ein zweites Mal. Trotz ausbleibender Kriegsschadensvergütung konnte 1955/56 das Ziel, auch Wohnungen für sozial schwächere zur Verfügung zu stellen mit Unterstützung der Firmen AEG und Südzucker weiter verfolgt werden. Es entstanden 35 neue Wohnungen, die von Werksangehörigen dieser Firmen belegt wurden.

Am 06. Januar 1958 verstarb Albert Ebert, der Mitbegründer und zweimalige geschäftsführende Vorsitzende unserer Baugenossenschaft. Im selben Jahr wurden 12 neue Wohnungen fertig gestellt.

1959 waren die zu vor aufgezeigten finanziellen Schwierigkeiten überwunden und die Genossenschaft stand wieder gesund da. Zum 40-jährigen Jubiläum ergab sich folgende Bilanz: 59 Gebäude mit 371 Mietwohnungen, 1 Verwaltungsgebäude, 1 Kindertagheim, 1 Zentralwäscherei, 4 Ladenlokale, 4 gewerbliche Räume, 14 Garagen, sowie 78 Erwerbshäuser mit 95 Wohnungen wurden von unserer Genossenschaft erreichtet. Anfang der 60er Jahre wurden Baugrundstücke in Münster rar. Die Genossenschaft verlagerte ihre Bautätigkeit auf den Freiberg. 1965/66 entstanden dort 38 neue Wohnungen in der Balthasar-Neumann-Straße. 1967 wurde das bisher größte Einzelbauvorhaben der Genossenschaft, das 60 Wohnungen umfassende Objekt Wallensteinstr. 25 begonnen.

In das Jahr 1967 fällt auch die Errichtung der ersten Eigentumswohnungen. Anknüpfend an die Ursprünge der Genossenschaft, mit dem Bau von Erwerbshäusern zur Bildung privaten Eigentums, wurden 1967 insgesamt 24 Wohnungen für Mitglieder der Genossenschaft errichtet. Der damalige Kaufpreis lag bei ca. 1.000,-- DM / Quadratmeter. 1969, im Jahr des 50. Bestehens, wird mit dem Bau des Gebäudes Freibergstraße 34 begonnen. Neben 13 Wohnungen sind dort ein Lebensmittelgeschäft, eine Zahnarztpraxis, eine Kindertagesstätte, sowie die Filiale einer Bank untergebracht.

Standen in den 50er und 60er Jahren zunächst die Beseitigung von Kriegsschäden und dann die Neubautätigkeit im Vordergrund, so begann in den 70ern die Modernisierung des vorhandenen Altbestands an Bedeutung. 1970 wurden in der Moselstraße in die 1938 bis 1941 entstandenen Häuser Bäder eingebaut.

1971 wird das Gebäude Freibergstraße 68 wegen seines schlechten baulichen Zustands abgerissen. Es entstanden auf diesem Grundstück 8 Eigentumswohnungen mit 16 Tiefgaragenstellplätzen, die 1972 an die Erwerber übergeben wurden.
Mit Beginn des Jahres 1972 übernimmt Helmut Walz den Vorstandsvorsitz, nach dem sein Vorgänger im Amt, Fritz Buch, wegen seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Stuttgart ausgeschieden war.

1974 wird in Stuttgart-Neugereut mit dem Bau von Eigentumswohnungen begonnen. Es entstanden 32 Wohnungen in 3 verschiedenen Grundrissen, die nach ca. 2-jähriger Bauzeit an die Eigentümer übergeben wurden. Es gelingt der Erwerb weiteren Baulands in Neugereut, so dass 1977 mit dem Bau von 28 weiteren Eigentumswohnungen begonnen werden konnte. Diese Wohnungen wurden 1979 an die Käufer übergeben.

1980 begannen die Vorbereitungen für ein größeres Objekt mit 34 Mietwohnungen in Stuttgart-Neugereut. Die Stadt Stuttgart stellte das erforderliche Grundstück im Wege des Erbbaurechts zur Verfügung und beteiligte sich an den Baukosten. Dafür ließ sie sich auf die Dauer von 30 Jahren das Belegungsrecht an diesen Wohnungen einräumen. Diese Wohnungen wurden nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit im Sommer 1983 den Mietern überlassen.

Nach langwierigen Verhandlungen gelang im März und Juni 1983 der Erwerb von 3 weiteren Grundstücken in der Elbestraße und in der Austraße. Nach Abriss der dort befindlichen Fabrikations- und Lagerräumen wird Mitte 1984 mit dem Bau von 24 Eigentumswohnungen und 3 Reihenhäusern begonnen. Wegen des Eingeengten Zugangs ergaben sich Schwierigkeiten beim Einrichten der Baustellen, zudem verlief der Verkauf der Wohnungen und Reihenhäuser schleppend, so dass sich das Bauvorhaben bis Oktober 1987 hinzog. Der Erwerb geeigneter Baugrundstücke gestaltete sich in den nächsten Jahren zusehends schwieriger. Gleichzeitig lag ein ansehentlicher Wohnungsbestand vor, den es zu erhalten und zu verbessern galt. So konzentrierten sich die Bautätigkeiten der folgenden Jahre auf die Modernisierung des genossenschaftlichen Wohnungsbestandes. Der Einbau von Bädern wurde fortgesetzt. 1986 wurde mit dem Einbau fernwärmeversorgter Zentralheizungen begonnen, der 1993 unter Einbeziehung von insgesamt 234 Wohnungen zum Abschluss gebracht. 1991 schied Helmut Walz nach über 20-jähriger Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender aus. Zu seinem Nachfolger wurde Werner Kraus bestellt. Die Modernisierung des Wohnungsbestands wurde fortgesetzt. 1992 und 1993 wurden insgesamt 44 Wohnungen nachträglich mit Balkonen ausgestattet. Ebenfalls 1993 konnte das Grundstück Elbestraße 69 erworben werden. Im Jahr 1993 wurde Herr Michael Pohl für die Baugenossenschaft Münster gewonnen. 1998 wurde Herr Michael Rosenberg-Pohl durch den Aufsichtsrat zum Vorstand bestellt. Nach dem Ausscheiden von Herrn Werner Kraus im Jahr 1999 wird Herr Rosenberg-Pohl zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Die jüngere Geschichte unserer Baugenossenschaft finden Sie detailliert in unseren Geschäftsberichten in der Rubrik 'Veröffentlichungen / Downloads'.